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Freitag, 15. Februar 2008

Ohne Dampf keinen Kampf




An dieser Stelle möchte ich meine debile Meinung zum Rauchverbot äußern. Als Nichtraucher bin ich in erster Linie froh, dass es endlich soweit ist. Insbesondere in Kneipen, Clubs und Diskotheken war die Atmosphäre häufig genug unerträglich. Der Qualm war zum Schneiden dick, die Luft kaum noch zu atmen. Gut, dass das vorbei ist.
Es ist schlicht und ergreifend Blasphemie, mit der hierzulande über Drogen diskutiert wird, wenn man das Rauchen dabei ausspart. Im Gegensatz z.B. zum Heroin- oder Kokainkonsum kann der Nichtraucher kaum verhindern, von der Droge mitgeschädigt zu werden, wenn in seiner unmittelbaren Nachbarschaft geraucht wird. Nun will ich die Drogen nicht gleichstellen, doch sollte klar sein, dass Raucher zum größten Teil Suchtkranke sind. Dies sieht man vor allem daran, dass sie sehr ungemütlich werden, wenn sie keinen Zugang zu ihren Zigaretten haben und auch daran, dass sie so gut wie nie in der Lage sind, sich von selbst auf ein, zwei Glimmstängel zu beschränken. Vor meinem geistigen Auge stehen noch immer die Rauchschwaden einer Fete in den eigenen vier Wänden. Da meine Frau und ich der Sucht abhold sind, hatten wir unsere rauchenden Freunde in die Küche verbannt. Das Ergebnis: Alle Nikotinabhängigen saßen ausschließlich um den Küchentisch, der Aschenbecher quoll schon nach einer halben Stunde über. Alle Anwesenden gönnten sich keine Pause und entzündeten die eine Zigarette an der anderen, so als ob es darum ginge, einen neuen Weltrekord aufzustellen.
Um eins klarzustellen: Prinzipiell habe ich wenig Problem mit dem Rauchen, nur scheint die Sucht den Genuss schon längst vertrieben zu haben. Immer mehr Menschen beginnen in einem Alter zu rauchen, in dem das nachweislich schädigend für die körperliche und geistige Entwicklung ist. Ganz zu schweigen von Müttern oder Vätern, die in der einen Hand ihr Kind, in der anderen die Zigarette halten. Nein, das ist nicht normal und ich bin nicht bereit, das zu akzeptieren.
Die Entscheidung für oder gegen das Rauchen ist eine persönliche. Lässt man einmal den Umweltaspekt außen vor, könnte man modellhaft das Gleiche über das Autofahren sagen. Doch dafür gibt es zu Recht Regeln, denn durch das Ausleben meiner persönlichen Freiheit beschränke ich andere. So kann ich nicht immer, überall und mit jeder Geschwindigkeit fahren, mit der es mir beliebt, weil dadurch Wohlbefinden, Leben und Sachwerte Anderer gefährdet werden. Viele Raucher sind der Meinung, dass das, was fürs Autofahren gilt, für sie nicht zutrifft. Es stört ja niemanden, wenn sie rauchen. Oh doch, es stört ungemein! Rauchen ist gesundheitsschädlich, es stinkt und die achtlos weggeworfenen Zigaretten sind eine Schweinerei, die meist andere wegräumen. Ganz zu schweigen von der Brandgefahr, die von einem nicht ausgetretenen Zigarettenstummel ausgehen kann.

Gut belassen wir es bei dieser Aufzählung der Nachteile des Rauchens. Mir ist selbstverständlich klar, dass sich viele Nikotinsüchtige vom Staat durch die neuen Gesetze gegängelt fühlen, doch es sollte auch den geistig Minderbemittelten unter ihnen verständlich sein, dass Rauchen ohne Zweifel nicht zu unserem biologischen Programm gehört. Es ist eine Unart, die man abstellen kann und sollte.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an ein Gespräch mit Bekannten, die reichlich aufgebracht ihre persönliche Freiheit ins Spiel brachten, die sie durch das Rauchverbot beeinträchtigt sahen. Von denselben Bekannten habe ich noch nie ein Wort zu Themen wie Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung etc. gehört. Das wundert mich schon sehr. Ebenso wie die Erregung der Revolutionäre, die mit ihrer Tabaksteuer den verhassten Staat finanzieren, Großkonzerne, denen für einen maximalen Profit jedes Mittel Recht ist oder das "organisierte Verbrechen", das gern mal über Leichen geht. Wahrscheinlich beeinträchtigt das Rauchen Gehirn und Denkvorgänge doch stärker als angenommen.

Freitag, 8. Februar 2008

Ich bin doch nicht blöd!

Dass unsere arme Energieversorger am Hungertuch nagen, haben wir alle schon mitbekommen. Der „Klimawandel“ belastet diese altruistisch denkenden und arbeitenden Mitmenschen verglichen mit der Restbevölkerung übermäßig, denn bei der Erzeugung von Strom und Wärme entsteht nun mal mehr böses Kohlendioxid als beim Schreiben dieser wenigen Zeilen. Nun ist unsere liebe Regierung den darbenden Großkonzernen entgegengekommen, indem sie ihnen Klimaschonende CO2-Zertifikate geschenkt hat, die diese sich von ihrer Kundschaft haben bezahlen lassen dürfen. Auch sind die Preise für Strom, Gas, Fernwärme etc. in letzter Zeit angestiegen, in einem Maße, dass man den Herrschaften ihre Verträge um die Ohren schlagen möchte, da sie mit dem Übermaß an zusätzlichem Gewinn wohl kaum noch etwas Vernünftiges anstellen können. Aber halt! Wer so denkt, denkt falsch! Die neueste Erfindung der Energieriesen ist ein CO2-freies Kraftwerk. Ja richtig gelesen, CO2-freies Kraftwerk! Wer sich jetzt noch ein klitzekleines bisschen an seinen Chemieunterricht erinnert, wird sich fragen, wie das denn gehen soll. Wenn man Kohle oder eine organsiche Substanz wie Holz, die zum großen Teil aus Kohlenstoff besteht (chemisches Symbol „C“) verbrennt, entsteht zwangsläufig Kohlendioxid (oder Kohlenmonoxid, was aber auch nicht viel gesünder ist). Ein CO2-freies Kraftwerk ist also theoretisch und praktisch absolut unmöglich.
Haben die Herrschaften uns jetzt beschwindelt? Nein, natürlich nicht. „Durch Auskondensieren kann das Kohlendioxid aus dem Rauchgasstrom getrennt und mittels Druck verflüssigt werden. So lässt es sich transportieren und in geeigneten geologischen Formationen tief unter der Erdoberfläche oder unter dem Meeresgrund speichern“, schreibt Vattenfall. Super Idee. Hat nur einen kleinen Haken: Auskondensation, Verflüssigung, Transport und Verpressung kosten zusätzliche Energie. Ganz zu schweigen davon, dass niemand mit Bestimmtheit sagen kann, was passiert, wenn man große Mengen Kohlendioxid in „geologisch dafür geeignete Erdschichten“ verpresst oder ins Meer pumpt. Aber das interessiert uns ja nicht. Mit der Lösung dieser Frage sollen sich künftige Generationen herumschlagen – eine Strategie, wie wir sie schon im Bereich der Atomenergie sehen können. Radioaktiver Müll wird in „Endlager“ verbracht, Salzstöcke, deren geologische Beschaffenheit man für die nächsten 100, tausend oder von mir aus auch zehntausend Jahre für geeignet hält. Nur hat zum Beispiel das bei der Kernspaltung auftretende Isotop Uran 238 eine Halbwertszeit von über 4 Milliarden Jahren und 10.000 Jahre sind in der Erdgeschichte ein Klacks. Was soll’s? Bis dahin sind die heute Verantwortlichen eh schon längst wieder selbst Biomasse und mit den Folgen haben Andere zu kämpfen. Alles ist wunderbar und ich geh mir jetzt ein fettfreies Stück Butter kaufen, um das dann auf mein Kohlenhydratfreies Brötchen zu legen. Ich weiß, was mir gut tut, ich bin ja nicht blöd…

Donnerstag, 17. Januar 2008

Hurra

Momentan bin ich sprachlos.

Schaust Du hier:

Freitag, 11. Januar 2008

Nachschlag mit der Nazi-Keule

Ich mag Nazis nicht, soviel vorweg. Trotzdem muss ich an dieser Stelle Partei für sie ergreifen. Oder anders ausgedrückt: Ich finde es sehr bedenklich, mit welcher Inbrunst hierzulande die Nazi-Keule geschwungen wird. Ich plädiere dafür, mit dem Begriff endlich etwas sorgsamer umzugehen.

Machen wir uns nichts vor: In Deutschland gibt es nicht wenige Rassisten und Antisemiten, doch sind das alles Nazis?

Bleiben wir beim Stichwort Antisemitismus. Der Begriff beschreibt Jemanden, der, vereinfacht gesagt, Vorurteile gegen Juden hat. Wenn diese Menschen automatisch alle Nazis sind, dann gibt es die meisten davon wahrscheinlich in Palästina und im Libanon. Das stimmt offensichtlich nicht.

Kommt hinzu, dass man, um Nazi zu sein, noch Deutscher sein muss. Doch das hieße ja, dass es in unseren Breiten schon im Mittelalter Nationalsozialisten gab. Das ist widerum falsch, denn Luther (mit zahllosen antisemitischen Äußerungen in Erscheinung getreten) und die Menschen seiner Zeit hatten keinerlei Vorstellung von Sozialismus und mit der deutschen Nation war es damals auch nicht weit her.

OK, einigen wir uns darauf, dass deutsche Antisemiten mit einem Geburtsdatum nach 1920 Nazis sind. Doch auch das stimmt nicht, denn zum Nationalsozialismus gehört nun mal mehr, als nur der Antisemitismus. Zwar war der eine wichtige Stütze des Dritten Reiches aber eben nur ein Teil der Nazi-Ideologie. In der spielen Führerkult, eine Blut- und Bodenideologie, der Glaube an die Überlegenheit der „Weißen Rasse“ und andere Vorstellungen eine zentrale Rolle (s. hier).

Ob ein Gegenüber all diese Vorstellungen teilt und damit ein "echter Nazi" ist, kann man nur wissen, wenn man besagte Person wirklich gut kennt. Der Begriff „Nazi“ wird hingegen häufig nur dazu verwendet, den Anderen mundtot zu machen und abzustempeln. Weitere Diskussionen überflüssig. Statt mit Argumenten für die eigene, hoffentlich bessere Weltanschauung zu werben, vertieft man die Gräben und sorgt für ein weiteres Auseinanderdriften der Ansichten.

Das Gleiche geschieht, wenn aus Maulfaulheit oder Dummheit der Ausdruck „Rechtsradikale“ auf „Rechte“ verkürzt wird. Letztere muss ich in einem demokratischen System aushalten, wenn ich als „Linker“ akzeptiert werden will, gegen Erstere kann und muss ich etwas tun. Wer sich an die Spielregeln unserer Gesetze hält, den kann ich nur argumentativ bekämpfen, ihm die biedere Maske vom Gesicht reißen, seine wahren Ziele deutlich machen. Und dann jeden selbst entscheiden lassen, ob ihm das zusagt oder abstößt. In diesem Sinne sollte die präzise Verwendung der Begriffe auch verstanden werden. Erst wenn ich weiß, was mein Gegenüber wirklich will, kann ich seine Ansichten widerlegen (wenn ich es kann). Um das zu erreichen, muss ich reden, fragen, diskutieren. Keulenschläge lösen das Problem nicht, auch wenn sie kurzzeitig für Ruhe sorgen.

PS: Faschismus und Nationalsozialismus sind zwei verschiedene Ideologien auch wenn sie sich in vielen Punkten gleichen!

Einmal Deutschland, gut gelagert

Im Juli vergangenen Jahres regte Herr Innenminister Schäuble eine gesetzliche Regelung an, die es erlauben würde, Terrorismusverdächtige auf unbestimmte Zeit zu internieren oder gezielt zu töten. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Des Terrors Verdächtige! Wer ist damit gemeint? Islamische Mitbürger, die große Mengen Aceton, Haarbleichmittel oder Dünger kaufen? Bekanntlich kann man aus diesen Substanzen Bomben herstellen. Oder „Hassprediger“ wie Metin Kaplan, der „Kalif von Köln“? Oder doch eher junge Deutsche, die zum Islam konvertiert sind? Oder, wie derzeit in der Diskussion – kriminelle Jugendliche „mit Migrationshintergrund“, wie das jetzt so schön heißt? Vorsichtshalber sollten wir gleich alle einbuchten. Und damit – das wird der doitschen Bevölkerung sicher einleuchten – sie uns, den Steuerzahlern nicht auf der Tasche liegen, sollten diese Delinquenten für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Am besten im Steinbruch und an anderer Stelle, wo der eine oder andere leider dahinscheidet. Vernichtung, äh Problemlösung durch Arbeit.

Wie weit sind wir eigentlich schon wieder? 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem sang- und klanglosen Untergang des Dritten, des Tausendjährigen Reiches, wollen deutsche Politiker „Internierungs-„ und „Erziehungslager“ einrichten oder nennen wir es doch beim Namen: „Konzentrationslager“. Und was macht die deutsche Öffentlichkeit? Die schweigt im besten Fall dazu oder klatscht Beifall. Hurra, der Führer hat doch gesiegt.

Wenn wir schon wieder soweit sind, dass wir in Deutschland KZs brauchen, dann würde ich dort die wahren Feinde unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung internieren: Hessen-Hitler, Stasi 2.0-Schäuble, Frau Rechtsverdreher-Harms etc. Aber wahrscheinlich brauchen wir keine KZs. Geschlossene Anstalten tun’s auch. Hauptsache diese "politischen Brandstifter", wie Herr Koch stellvertretend und zu Recht genannt wurde, richten keinen weiteren Schaden an.

Montag, 10. Dezember 2007

Gib mir all Dein Gold!

Derzeit diskutiert man hierzulande mal wieder über Managergehälter. Die SPD fordert, deren Höhe solle gesetzlich beschränkt werden. Nun bin ich kein Freund des Kapitalismus, jedoch finde ich es albern, einem Unternehmen vorzuschreiben, welche Gehälter es seinen (leitenden) Angestellten zahlt. Wie jedes wirtschaftlich arbeitende Subjekt muss auch ein großes Unternehmen entscheiden, ob es sich diese oder jene Ausgabe leisten kann oder halt nicht. Was natürlich nicht sein darf, ist, dass die hohen Gehälter von der Steuer abgesetzt werden können, denn so bezahlt sie nicht das Unternehmen, sondern die steuerzahlenden Bürger. Hier hat der Staat zum Beispiel die Möglichkeit eine Obergrenze festzusetzen. Alles was darüber liegt, muss das Unternehmen aus der eigenen Tasche zahlen.

Der von den Gewerkschaften angemahnte „soziale Friede“, der durch die großen Unterschiede in den Vergütungen gefährdet wäre, ist ebenfalls ein Scheinargument. Es gibt genügend andere Dinge, die den sozialen Frieden gefährden, wie die Abhängigkeit der Bildungschancen von der Herkunft oder die ständige Gängelung von Hartz4-Empfängern als soziale Schmarotzer. In einem Punkt haben die professionellen Arbeitervertreter allerdings Recht: In einem Unternehmen, in dem Hungerlöhne gezahlt werden, oder Festangestellte zu Zeitarbeitern mit weniger Gehalt umstrukturiert werden, gibt es reichlich Grund, sich zu erregen, vor allen Dingen dann, wenn die Gestalter dieser Umstrukturierung für solche Maßnahmen auch noch finanziell belohnt werden. Hier ist es Sache des Staates, Rahmenbedingungen zu schaffen, die das verhindern. Auch habe ich nichts gegen gesetzliche Mindestlöhne – im Gegenteil: Lohnarbeit muss ausreichend einbringen, um davon leben zu können.

Die häufig gebrauchte Argumentation, dass wir auf diese Weise im globalen Wettbewerb nicht mithalten könnten, erweist sich häufig als unsinnig. Die Produkte, die wir ins Ausland exportieren, bedürfen der Leistungen gut ausgebildeter und ebenso bezahlter Arbeitnehmer. Die „Billiglöhne“ werden im Allgemeinen für im Lande erbrachte Dienstleistungen (wie zum Beispiel den Postbetrieb, Reinigungs- und Bauarbeiten etc.) gezahlt. Dort gilt das Gleiche wie überall: Wenn ich mir etwas nicht leisten kann, dann mache ich es halt selbst oder ich lasse es bleiben. Wenn es preiswerter ist, zwanzig Leiharbeiter zu beschäftigen, als einen Hausmeister und eine Putzfrau, dann ist ja wohl irgendwo was faul.

Grundsätzlich glaube ich nicht daran, dass es in einem kapitalistischen Staat Deutschland jemals wieder eine Vollbeschäftigung geben wird. Wer etwas Gegenteiliges behauptet, der lügt. Lohnarbeit ist ehrlich gesagt aber auch nicht nötig, solange für alle Menschen gesorgt ist, Jeder zu essen hat, ein Dach über dem Kopf und die Möglichkeit am kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Diese Teilnahme muss nicht unbedingt über Geld geregelt werden, sicher gibt es auch andere Modelle. Aber das ist reine Utopie oder zumindest Zukunftsmusik, denn diese Gesellschaft lebt vom Gegeneinander, vom Willen, den anderen zu übertreffen und nicht zuletzt vom Neid der Besitzlosen. Denn wenn die Besseres zu tun hätten, als das Geld der anderen zu zählen, andere Werte als das Pekuniäre schätzten, sähe es nicht so trübe in der Welt aus. Dann würden vielleicht auch mal die Politiker gewählt, die nicht nur schöne Versprechen auf den Lippen haben, sondern ihre Vorhaben auch gegen Widerstände der Großindustrie umsetzten. Und wenn sie sich nicht an ihre Worte hielten, stünden die Menschen auf der Straße und würden ihre Rechte einfordern. Aber das ist wohl nichts als eine Hoffnung, denn die Deutschen sind kein Volk von Revolutionären…

Freitag, 2. November 2007

No, I don’t like Black Music!


Wenn mir eine Musik gefallen soll, dann muss sie die richtigen Vibrations haben. Oder zu gut deutsch ausgedrückt: Sie muss mich ansprechen, muss mich bewegen. Bei Black Musik worunter an dieser Stelle mal Soul, RnB, HipHop, House und ähnliches verstanden werden soll - ist das nicht der Fall.


Das liegt nicht nur daran, dass ich ein Weißbrot bin oder etwas unfreundlicher ausgedrückt, White Trash aus der kulturellen Einöde. Das meiste, das mir als Konsumenten im Bereich Black Music angeboten wird, ist widerlich durchgestylter Mist, bei dem es einzig und allein um Verkaufszahlen geht. Dicke Hose, dickes Auto, pickelfreie Gesichter, Titten und Ärsche. Das Auge kauft ja auch mit. Oder all diese Pappnasen, die ihre verschissene Kindheit vorschieben, um ungestraft absoluten Dumpfsinn von sich geben zu können. Oder dieser unsägliche Gottes-Krieger Xavier Naidoo, die Heulboje der Erlösung!

Ganz abgesehen davon, dass das meist minderjährige Publikum in seiner unglaublich schlecht sitzenden Bekleidung und der ungestillten Sehnsucht „Ghetto“ zu sein, eine Form von Party bevorzugt, die mich in ihrer Aggressivität und Dummheit nervt. Die etwas Älteren wiederum suchen sich im Vorschützen von finanzieller Potenz zu übertreffen. Wer das größte Auto fährt und die blondeste Freundin hat, der ist der Hengst im Stall. Sorry, da kann ich nicht mithalten. Will ich auch nicht.

Liebe Leute, macht, was ihr für richtig haltet! Ich höre mir jetzt einfach eine John Lee Hooker Platte an. Oder doch lieber Missy Elliot?

There’s no black music, there is no white music. There’s only good and bad music!

Montag, 22. Oktober 2007

Program error system failure


Der russische Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow erforschte um 1900 den Zusammenhang von Speichelfluss und Verdauung bei Hunden. Dabei beobachtete er, dass die die Hunde schon Speichel absonderten, wenn sie die Schritte ihrer Besitzer nahen hörten. Pawlow vermutete, dass die Versuchstiere dieses Geräusch mit der bevorstehenden Fütterung in Zusammenhang brachten. Aus dieser Beobachtung entwickelte Pawlow sein berühmtes Experiment: Kurz vor der Fütterung ließ er eine Glocke erklingen, nach einiger Zeit genügte allein der Ton, um bei den Hunden den Speichelfluss auszulösen. Dieses Phänomen bezeichnete Pawlow als Konditionierung. Pawlows Theorie besagt, dass dem natürlichen, meist angeborenen Reflex künstlich ein neuer, bedingter Reflex hinzugefügt werden kann.

Machen wir uns nichts vor: Menschen sind auch nur bessere Tiere. Das heißt, dass wir ebenfalls mit genau vorhersagbaren Reflexen auf bestimmte Reize reagieren. Ein Teil dieser Reflexe gehört zu unserem „biologischen Betriebssystem“, genauer gesagt die, die mit unseren natürlichen Grundbedürfnissen wie Essen, Sex oder dem Bedarf an Sicherheit zusammenhängen. Andere sind erworben bzw. antrainiert. Und das nicht immer zum Vorteil unserer selbst oder der Gesellschaft.

Beispiele für Konditionierungen im Alltag gibt es viele: Das einfachste von allen ist die Werbung. Wir müssen den saftigen Schinken oder das süße Leckerli nicht einmal mehr sehen oder riechen und schon tropft uns der Zahn. In unserem Kopf hat sich die Erinnerung an den Geschmack mit dem Bild der Verpackung verbunden. Allein dieser optische Reiz genügt, um in uns das Bedürfnis nach dem Produkt zu wecken. Was sich so harmlos anhört, hat immense volkswirtschaftliche Bedeutung, denn die ständige Reizung – in Form von einer wahren Bilderflut, vollgestopften Regalen etc. – löst bei vielen Menschen einen regelrechten Kaufrausch aus, weil sie meinen, damit ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Und auch da ist die Werbung sehr geschickt: Neben dem eigentlichen Produkt wird noch ein „Zusatznutzen“, wie ein bestimmtes Image mitverkauft, an dem der Konsument teilhaben kann, von dem er partizipiert. So können sich zum Beispiel Menschen, die einen niedrigen sozialen Rang haben, besser fühlen. Das klassische Objekt für diese Art von „Selbstaufwertung“ ist ein schickes Auto.

Ein etwas drastischeres Beispiel für Konditionierung ist die Armee. Hier wird ein bereits vorhandener Reflex – der Selbsterhaltungstrieb – in ein komplexes System verpackt, in dem der Einzelne nach genau vorgegebenen Mustern zu handeln hat. Im Einsatz funktionieren die Soldaten dann idealerweise wie Maschinen: Jeder Handgriff sitzt, nichts bleibt dem Zufall überlassen. Mit anderen Worten: Menschen lassen sich scheinbar regelrecht abrichten. Das passiert nicht immer mit der Androhung von Sanktionen, wie bei einer Befehlsverweigerung, sondern häufig genug auf sehr subtile Weise, zum Beispiel mit Hilfe der Medien.

Besonders gut funktioniert dies an den Stellen, wo viel Unwissenheit herrscht. Nehmen wir als Beispiel das Internet. Die Herrschenden auf der ganzen Welt sind alles andere als glücklich über dieses Medium, da es nur schlecht zu kontrollierende Wege der Informationsbeschaffung und des Meinungsaustausches ermöglicht. Wirklich verbieten lässt sich das Internet nicht, dafür jedoch diskreditieren. Wenn in den Medien über das weltweite Netz berichtet wird, stehen meist Kinderpornos, rechtsradikale Inhalte, terroristische Aktivitäten oder aber Betrügereien im Vordergrund. Bei all denen, die sich selbst mit dem Medium nicht beschäftigen, stehen diese negativen Aspekte im Vordergrund. Vor allem ältere Menschen haben einen reglerechten Horror vor dem www.

Kommen wir zurück zum Anfang: Die Konditionierung. Was auf den ersten Blick eher wie eine typische Verschwörungstheorie klingt, hat im alltäglichen Leben eine immense Bedeutung. Wie anders ist sonst zu erklären, dass Menschen immer wieder genau das tun, was man von ihnen erwarten kann, ganz gleich, ob das logisch ist, ihren Interessen entspricht oder nicht? Warum halten sich Vorurteile so hartnäckig, oftmals auch wider besseres Wissen? Es genügt, einen bestimmten Reiz zu setzen und schon erfolgt darauf die vorgesehene Reaktion. Betrachtet man in diesem Lichte den 11. September 2001 so wird schnell klar, dass die Aktion vor allem einer Gruppe genutzt hat: den großen Unternehmen der Waffen- und Ölindustrie aus der Gefolgschaft des George W. Natürlich zieht von diesen Herren niemand selbst nach Afghanistan, um die bösen Feinde der Demokratie vom Angesicht der Erde zu tilgen. Das sollen mal schön die tumben Volksmassen erledigen. Ganz abgesehen von sozialen Zwängen, die den Einzelnen in die Armee treiben, ohne Begeisterung für die große, gute Sache und das Bedürfnis, sich zu rächen, würden viele Soldaten sich nicht für diesen Krieg einspannen lassen. Schon allein deshalb nicht, weil sie weder wissen, wo die Länder liegen, in die sie einmarschieren, noch irgendeine Vorstellung davon haben, welche Verhältnisse dort herrschen. Ein normal denkender Mensch würde es vermeiden, sich unbekannten Gefahren auszusetzen. Programmierte Menschen tun mit Freude und Begeisterung, was man ihnen sagt. Ergo: Vorhersehbar reagierende Individuen sind die Voraussetzung dafür, dass eine Gemeinschaft wie unsere „Demokratie“ überhaupt funktioniert.

Eine „Programmierung“ gibt es wahrscheinlich schon so lange, wie es das Leben gibt. Immer dort wo größere Gruppen einer Art zusammen leben, gibt es Regeln, die dieses Zusammenleben ordnen. Manche Verhaltensweisen ergeben sich ganz einfach aus ihrer Notwendigkeit, will der Einzelne überleben: Der Fisch, der aus dem Schwarm ausschert, wird schneller zum Opfer als der, der in der Masse seiner Artgenossen untertaucht. Das Gnu, das zurückbleibt, ist potentielle Beute für die Jäger, die der Herde folgen. Sich zu isolieren bedeutet stets Gefahr. Nun sind wir schon lange keine wilden Tiere mehr, sondern „zivilisiert“. Völlig allein würden jedoch nur ganz wenige überleben können, schon allein deshalb, weil unsere Gesellschaft sehr arbeitsteilig ist. Wir sind also alle mehr oder weniger darauf angewiesen, uns unserer Umgebung, unseren Mitmenschen anzupassen. Über die Jahrtausende unserer Entwicklung hinweg haben sich bestimmte Regeln herausgebildet, die sich als sinnvoll für das gemeinsame Leben erwiesen haben. Mit der kulturellen Entwicklung sind manche dieser Regeln wieder verschwunden, haben sich gewandelt, andere sind hinzugekommen. Mit unserem technischen Fortschritt wurden die Grundsätze wesentlich „logischer“ und sind nicht mehr so sehr von religiösen Vorstellungen geprägt. Auch ohne, dass wir jede Erfahrung selbst machen müssen, „wissen“ wir, was uns und den anderen schadet oder nützt.

Einen Großteil der Programmierung übernimmt unsere Bildung. Sie bestimmt im Wesentlichen, was wir für richtig und was wir für falsch halten. Sie hat Einfluss auf unsere Interessen und schult unsere Empathie – das Vermögen, sich in andere hineinzuversetzen. Zur Bildung hinzu kommt unser eigenes Erleben, die Erprobung unseres Wissens und unserer Fähigkeiten in der Praxis. Hier kann es schon mal passieren, dass die Dinge, so wie wir sie gelernt haben und wie sie dann wirklich stattfinden, nicht zusammenpassen. Der eine wird darauf mit Verärgerung und Ablehnung reagieren, der andere mit wird sich anpassen.

Bildung, Moral, Regeln etc. werden immer von außen vorgegeben und entstehen nicht im Menschen selbst. Als Neugeborener sind wir quasi wehrlos gegenüber diesen Dingen, das Einzige, womit wir schon mit der Geburt ausgerüstet sind, sind unsere Instinkte, die jedoch auch durch äußere Einflüsse überlagert werden können. Dass heißt, dass wir als Mensch eine formbare Masse sind, an der jeder, der mit uns zu tun hat, nach eigenem Gutdünken herumknetet. Das nennt sich dann Erziehung. Spätestens mit Eintritt in die Schule übernehmen der Staat und seine Institutionen diese Aufgabe. Und die sind natürlich daran interessiert, aus uns „gute“ Bürger zu machen. Gut heißt in diesem Zusammenhang vor allem berechen- und steuerbar. Natürlich ist es in Ordnung, wenn wir zeitig demokratisches Verhalten erlernen, um im gegenseitigen friedlichen Interessenausgleich mit unseren Mitmenschen leben zu können. Andererseits formen die Lenker des Staates das Volk auch gern so, dass es sich immer regelkonform verhält, ohne die Regeln selbst in Frage zu stellen. Denn diese Lenker haben nämlich ein Problem: Eine fest gefügte, göttliche Ordnung gibt es nicht mehr. Die einzelnen Individuen haben quasi eine unendlich große Auswahl an Angeboten zur Lebensgestaltung im Rahmen einer Demokratie. Das ist aber kontraproduktiv, denn Menschen, die sich bewusst für einen Lebensstil entschieden haben, werden diesen nicht ohne weiteres wieder aufgeben. So ist es äußerst schwer, Freidenker von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen.

Neben dem politischen System und eng mit ihm verflochten, konditioniert die Wirtschaft ihre Subjekte. Zum einen ist ein normgerechtes Verhalten notwendig, um in Zeiten schwindender vollwertiger Erwerbsmöglichkeiten überhaupt noch am Wirtschaftsprozess teilhaben zu dürfen. Wer sich mit „ehrlicher Arbeit“ seinen Lebensunterhalt verdienen will, der darf möglichst keine politische Meinung haben, niemanden unsympathisch finden und sollte alle Lebensbereiche seiner Funktion im ökonomischen Schaffensprozess unterordnen. Natürlich ist diese Aussage etwas übertrieben, dass jedoch von jedem Arbeitnehmer – aber auch von den kleinen und mittleren Unternehmern – ein mindestens 120-prozentiger Einsatz erwartet wird, um im globalen Rennen nach Profiten mithalten zu können, ist alles andere als Propaganda. Daneben gibt es einige wenige, die im Stile einer großen Schachpartie die Geschicke der Menschheit lenken.

Nun kann man über diese Wenigen abschätzig urteilen und sie verdammen. Was jedoch häufig vergessen wird, ist, dass diese Menschen ebenso Produkte einer gesellschaftlichen Programmierung sind und nicht losgelöst davon leben. So ist der einzelne Großindustrielle ebenso mit Versagensängsten, Verdauungsproblemen und Wünschen nach Glück und Zufriedenheit geschlagen und gesegnet, wie jeder andere auch. Das macht die ganze Sache aber noch gefährlicher, denn wir bewegen uns quasi alle in einem Laufrad, das wir nicht steuern können, wenn wir uns nicht zusammentun. Doch davon sind wir als Menschheit weit entfernt. Die gegenwärtige Situation der Welt stellt sich vielmehr eher so da:

Dort wo Demokratie herrscht, werden die Bürger über die materiellen Verhältnisse, durch größtenteils sinnlose Bedürfnisse und die Jagd nach deren Befriedigung konditioniert, anderenorts ist Angst und rohe Gewalt das Mittel der Wahl.

Ein besonders krasses Beispiel für Konditionierung ist das CIA-Geheimprojekt MK Ultra, das von 1953 bis in die 1970er Jahre durchgeführt wurde und Möglichkeiten zur Bewusstseinskontrolle aufzeugen sollte. „Ziel des Projekts war es, eine perfekte Wahrheitsdroge für die Verwendung im Verhör von Sowjet-Spionen im Kalten Krieg zu entwickeln, sowie die Möglichkeiten der Gedankenkontrolle zu erforschen. Die überwiegend gesundheitsschädlichen bis lebensgefährlichen Experimente wurden ohne Wissen oder Zustimmung der Versuchspersonen durchgeführt, häufig auch gegen deren erklärten Willen. Dazu gehörten neben tausenden von zufällig ausgewählten US-Bürgern auch Krankenhauspatienten und Gefängnisinsassen… Oberstes Ziel war laut CIA die ‚Vorhersage, Steuerung und Kontrolle des menschlichen Verhaltens´ (Wikipedia).“ Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der Einfluss von Drogen (vor allem LSD und Mescalin), Giften, Chemikalien, Hypnose, Psychotherapie, Elektroschocks, Gas, Krankheitserregern, Erntesabotage, künstliche Gehirnerschütterung, Operationen usw. untersucht. Aufgrund einiger Todesfälle und mangelnder Ergebnisse musste das Projekt eingestellt werden.

Im Alltag sind wir häufig durch viel simplere Dinge als den aktiven Eingriff eines Geheimdienstes konditioniert. Gesellschaftliche Zwänge, allgemein akzeptierte Vorstellungen über ein normgerechtes Verhalten aber auch bewusst oder unbewusst erlernte Mechanismen steuern von uns unbemerkt unser Verhalten. Einen wesentlichen Teil unserer Energie verpulvern wir auf der Jagd nach zweckfreien oder zumindest überflüssigen Produkten, dem idealen Sexualpartner, Adrenalinkicks, Anerkennung oder einem Sündenbock für unser eigenes Versagen. Verstandesmäßig ist uns zwar klar, dass es keinen Sinn hat, sich für eine gelungene Leibesübung mit einem Stück Torte zu belohnen oder fürs zwei Monatsgehälter einen Fernseher mit 1,30 Meter-Bildschirmdiagonale zu kaufen. Trotzdem tun wir es. Auch ist den meisten klar, dass „die Ausländer“ nicht für die Probleme in unserem Lande verantwortlich sind, sondern in erster Linie wir selbst. Zum einen, weil unsere reiche Gesellschaft schon seit langem auf Kosten vieler Herkunftsländer lebt, zum anderen weil die Europäische Union und ihre Mitglieder nicht ganz unschuldig am Zustand in vielen dieser Länder ist. Jahrzehntelang wurden Diktatoren und korrupte Systeme unterstützt. Im Gegenzug gab es billige Rohstoffe, neue Märkte wurden erschlossen. Den meisten wird das klar sein, und sie werden verstehen, warum z.B. jemand aus Afrika hierher kommt, doch es ist viel einfacher die Schuld für Probleme anderen zuzuschieben. Wenn es nicht die Ausländer sind, so sind es eben die Politiker. Die von uns gewählten Politiker.

Natürlich wäre es langweilig und alles andere als menschlich, wenn wir immer vernünftig handelten. Schaden kann es jedoch nicht, wenn wir ab und zu zwischen Reiz und Reaktion einen Denkprozess einschalten, denn das unterscheidet uns letztendlich vom Tier. Damit dieser Denkprozess aber auch zu einem sinnvollen Ergebnis führt, müssen wir uns frei machen von einem Großteil der unterbewussten Programme, die in uns ablaufen. Ganz deutlich kann man deren Mechanismen an der aktuellen Sicherheitsdiskussion sehen, die von unserer aller Innen-Schäuble getragen wird. „Wir brauchen die Online-Durchsuchung, denn sonst ist die Polizei taub und blind“, war eines seiner Argumente. Ist das wirklich so? Ich denke nicht, denn alles was virtuell auf dem Rechner geschieht, bedarf, mal abgesehen vielleicht von Rufmord und übler Nachrede, einer realen Straftat. Die gern zur Begründung drastischer Maßnahmen herangezogene Kinderpornographie kann nur dann funktionieren, wenn vorher ein Kindesmissbrauch stattgefunden hat. Der Gedanke an sich – so verwerflich er uns erscheinen mag – ist nicht strafbar, nur die Tat. Selbstverständlich ist auch das Tauschen und Kaufen von Bildern mit diesen Inhalten strafbar aber um dagegen vorzugehen, bedarf es keiner Onlinedurchsuchung.

Auch die Terroristen sind nicht so clever, wie man es uns gern weismachen will. Wer Böses plant, hinterlässt Spuren. Allein die Idee, eine Bombe zu legen, ist nicht strafbar. Wer konkrete Pläne hat, muss sich dazu Dinge besorgen, Objekte auskundschaften etc. Letztendlich kommen solche Projekte auch niemanden in den Sinn, der glücklich und zufrieden ist. Vielleicht sollte man damit mal anfangen, daran zu arbeiten, dass alle Menschen eine Perspektive für ihr Leben sehen. Apropos sehen: Ist Euch übrigens aufgefallen, dass die potentiellen Attentäter quasi aus den Massenmedien verschwunden sind? Was ist da los? War wohl doch nur alles falscher Alarm?

Dass man den Verantwortlichen in Staat und Wirtschaft nicht bedingungslos trauen kann, zeigen unsere landeseigenen Probleme: der Justizskandal, der von einer willfährigen Presse mittlerweile zur „Akten-Affäre“ klein geschrieben wurde und der steuerfinanzierte Abgang der sächsischen Landesbank, der den Bürgern nachträglich als Gewinn verkauft wird. Ich kann mich immer nur wundern, warum es keinen Aufstand gibt. Selbst die krassesten Vergehen werden klaglos hingenommen. Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass allen Bürgern ein Beruhigungsmittel ins Essen gemischt wird. Vielleicht ist das aber auch nicht nötig, weil wir wunderbar trainiert sind und nur auf Zeichen unseres Herrn zum Angriff übergehen und ansonsten immer brav „Sitz“ und „Platz“ machen. Die Frage "Cui bono?" (Lateinisch „Wem zum Vorteil?“) scheint aus der Mode gekommen zu sein. Und wenn wir nach Antworten fragen, dann geben wir uns mit der erstbesten zufrieden. „Keine Alternative“ gibt es nicht. Es gibt nur eine mangelnde Bereitschaft danach zu suchen oder Kompromisse zu machen. Vielleicht hat aber auch das ganze System einen Fehler…

Montag, 10. September 2007

kill thrill


Manchmal ist es schon ganz gut, wenn man einen Trend verschlafen hat. Bis zum gestrigen Tage hatte ich Quentin Tarantinos „Kill Bill“ verpasst. Nicht dass mich der Film sonderlich interessiert hätte aber auch mir war nicht entgangen, dass das (Mach)Werk „Kultstatus“ genießt. Bisher hatte ich nur begeisterte Konsumenten getroffen, stets war der Streifen als sehenswert beworben wurden. Umso heftiger traf mich das Grauen, beim gestrigen Versuch, mir selbst ein Bild zu machen.

Vielleicht sollte ich vorausschicken, dass ich kein Weichei bin. Kriegsfilme oder Krimis bereiten mir keine schlaflosen Nächte. Horror- oder besser gesagt Splatterstreifen lehne ich jedoch ab, da ich es nicht einsehe, warum ich meine innere Festplatte mit sadistischen und blutrünstigen Celluloid-Visionen füllen sollte. So habe ich „Scream“ nach wenigen Minuten abgeschaltet, weil ich nicht einsehe, wie man genussvoll im Fernsehsessel zuschauen kann, wenn Menschen geschlachtet werden. Natürlich bin ich mir bewusst, dass das alles nicht real ist, aber es geschehen genügend grausame Dinge auf der Welt. Da schaut nur niemand hin, weil diese Dinge nicht im Hollywood-Hochglanz-Format daherkommen, sondern schmutzige Realität sind.

Kommen wir aber zurück zu „Kill Bill“. Was mich stört, ist nicht die „Handlung“ des Films. Dass ein Mensch, der Unrecht erlitten hat, sich rächt und seine Peiniger tötet, ist ein uraltes Motiv, das sich seit Ewigkeiten durch die Literatur und logischerweise auch durch das Filmgenre zieht. Bei letzterem ist weniger die Phantasie des Zuschauers gefragt, das Medium lässt im Falle des Falles kaum Fragen offen. Die Zurückhaltung beim Abbilden von Mord und Totschlag ist längst schon gewichen. Die Großaufnahme vom beim Einschlag einer Kugel zerplatzenden Schädel gehört schon längst zu Standard. Was mich allerdings an „Kill Bill“ aufregt, ist die Ästhetisierung von Gewalt. Quasi beiläufig und immer recht „cool“ anzusehen, werden da reihenweise Menschen ins Jenseits befördert. Da wird eine Frau vor den Augen ihrer Tochter umgebracht, Schädel in Türen zerquetscht etc. Ich kann das ehrlich gesagt nicht lustig finden. Das ist kein „Kult“ sondern schlicht und ergreifend widerlicher Dreck.

Das wäre alles nicht so schlimm, wenn dieses Machwerk von Mister Tarantino aus Knoxville Texas von eben diesem „white trash“ konsumiert würde, dem er selbst entstammt. Doch leider sind Filme wie „Kill Bill“ längst im Mainstream angekommen. Ich frage mich, was in einem Fünfzehnjährigen vorgeht, der sich das reinzieht. Aber lassen wir die Spekulationen. Fakt ist, dass solche Filme von Millionen gesehen werden (so wie „Saw“ oder „Hotel“). Ich glaube nicht, dass sich deswegen tausende ein Samuraischwert besorgen oder mit dem großen Küchenmesser losziehen und ihre Mitmenschen tranchieren. Überzeugt bin ich allerdings davon, dass solche Entwicklungen die Sehgewohnheiten der Menschen verändern und langfristig zu einer Abstumpfung führen. Man kann allen nur wünschen, dass sie das Blut nur im Film spritzen sehen und niemals im realen Leben, z.B. als Soldat im Irak oder von mir aus als Zeuge eines Verkehrsunfalls, um die Sache nicht über Gebühr zu dramatisieren. Man kann nur hoffen, dass sie sich nicht zum falschen Zeitpunkt an einer Schule in Erfurt oder Columbine aufhalten. Oder in Jerusalem, London oder Madrid mit dem falschen Zug, Bus fahren.

Ein Wort noch zu Herrn Tarantinos Werk: „Pulp Fiction“ finde ich noch immer einen guten Film, weil er sehr gekonnt mit den seltsamen Verflechtungen des Lebens spielt. Doch schon „Reservoir Dogs“ ist mir übel aufgestoßen. Da ging es ebenfalls nur um die möglichst ästhetische Darstellung von Gewalt. Und wäre „From Dusk Till Dawn“ nicht so überzeichnet, könnte man das Gleiche behaupten. Weitere Filme habe ich noch nicht gesehen und werde es wahrscheinlich auch nicht tun. Es interessiert mich nicht und ich habe keine Lust mehr dazu, genauso wenig wie auf weitere Machwerke Tarantinos. Da kann ich halt nicht mitreden, na und? Es gibt wesentlich bessere Filme als die aus Hollywood.

PS. Die Islamisten haben Recht, wenn sie unsere Kultur als degeneriert bezeichnen. Mal abgesehen davon, dass „Kill Bill“ & Co. nicht viel mit Kultur zu tun hat und die Scharia aus Niemandem einen sensibleren und intelligenteren Menschen macht…

Sonntag, 12. August 2007

Wir sind … Dresden?

Neulich wurde in Dresden ein Stadtslogan gekürt, der auf den Punkt gebracht das Lebensgefühl der Elbestädter ausdrücken soll. Man entschied sich für „Dresden barockt“, weil das so schön die Vergangenheit, namentlich den Barock auf den man hier so stolz ist, mit einem jungen, energetischen Aspekt, dem „rocken“ verbindet.

Reden wir nicht darüber, dass der Slogan, der medial großartig gefeiert wurde, bereits über ein Jahr zuvor vom Kultur Aktiv, einem Verein, bei dem ich Mitglied bin, ins Rennen geschickt wurde als Motto für eine Konzertreihe zum 800sten Geburtstag Dresdens. Reden wir nicht darüber, dass ich den Spruch schon damals albern fand und auch darüber nicht, dass den professionellen Journalisten dieser Stadt, die den hohen Ratschluss verkünden durften, bei der Erwähnung von „Dresden barockt“ kein „Moment mal!“ durchs Gehirn zuckte. Bei diesem schlechten Langzeitgedächtnis wundert mich auch nicht mehr, dass der Sachsensumpf noch vor sich hin müffelt…

Was mich an solchen Aktionen am meisten stört, ist, wie krampfhaft versucht wird, ein „Wir“-Gefühl zu erzeugen. Wie soll das gehen? Was verbindet den Harz IV-Empfänger mit dem Chef eines großen Unternehmens, was die 70-Jährige mit dem Kleinkind, was den Universitätsprofessor mit dem Hilfsarbeiter, was den Gorbitzer mit dem Loschwitzer? Ich habe definitiv keine Antwort auf diese Fragen, zumindest nichts Substanzielles, was über das Niveau eines Bild-Zeitungs-Wirs oder das „Wir“-(Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt)-Geschwafel professioneller Werbetreibender hinausgeht. Ehrlich gesagt, sind mir diese Wirs suspekt. Ich fühle mich davon gegen meinen Willen vereinnahmt, ja regelrecht vergewaltigt. Mit diesem Volks- und Schicksalgemeinschafts-Wir will ich nichts zu tun haben.

Nur weil ich in der gleichen Stadt wie Bürger X und Y wohne, gibt es nicht zwangsläufig etwas, was mich mit ihnen verbindet. Sicher, alles was sich unter Lokalpolitik subsumieren lässt, geht uns gleichermaßen an. Wenn meine Stadt pleite ist und keine Handlungsspielräume mehr besitzt, dann betrifft das alle Bürger. Wenn ein Teil der städtischen Wohnungen verkauft werden, wie in Dresden geschehen (X), dann geht das vorrangig die an, die da wohnen und die, die sich kein Wohneigentum leisten können. Der Rest kann sich getreu des St. Florian-Prinzips freuen, nicht selbst betroffen zu sein…

Lassen wir diese Diskussion, da sie für dieses Forum zu komplex ist. Von „oben“ beschlossene Slogans sind nicht dazu angetan, mir ein Wir-Gefühl zu vermitteln. Für meinen Teil kann ich nur feststellen: Ich lebe ganz gern in Dresden. Weil die Stadt sehr grün ist. Weil die Menschen in ihren teils sehr nervigen Konservatismus eine Menge historische Substanz erhalten haben, von dem, was nach dem Zweiten Weltkrieg noch übrig war. Ich mag Dresden, weil es hier ein interessantes und abwechslungsreiches Kulturleben neben all dem Hochglanz-Vorzeige-Touristen-Krimskrams gibt. Weil das Tempo nicht so krankhaft angezogen und die Leute nicht so trendig-überdreht sind, wie anderswo. Weil ich hier viele gute Freunde habe und mich meist recht wohl fühle.


Mein Vorschlag für ein Stadt-Motto würde lauten:
Dresden – bleib ma ganz ruhsch!
[Für Nicht-Sachsen: Dresden – Bleib ruhig!]

PS: Als ich einer Freundin von diesem Thema erzählte, meinte sie, es entspräche schon den Tatsachen, dass die Dresdner besonders mit ihrer Stadft verbunden sind. Das möchte ich nicht in Abrede stellen. Nur bezweifle ich, dass sich diese Verbundenheit in einen schmissigen Slogan gießen lässt. Dabei handelt es sich um ein Instrument zur Vermarktung, mehr nicht. Und das wird von denen eingesetzt, die etwas zu verkaufen haben...